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Warum ich nicht bei 500px geblieben bin...

Was bringt es einem, wenn man seine Bilder in ein Fotoportal hochlädt? Das muß wohl jeder für sich selbst beantworten. Die einen machen es, weil sie auf der ewigen Jagd nach "likes" sind. Auch, wenn es natürlich schön ist, wenn die zur Ansicht gestellten Fotos bejubelt werden, spielt bei mir ein anderer Aspekt die Hauptrolle: Ich möchte lernen. Dazu ist mir die Meinung anderer, vermutlich erfahrener Fotografen wichtig. Auch, wenn ich immer noch das fotografiere, was mich anspricht, mich fasziniert, mein Gefühlszentrum triggert, oder mich zum nachdenken animiert, so bin ich doch für einen guten Tipp, einen sachlichen Rat, oder einen Kniff dankbar, der mich bei meiner Fotografie-Reise weiterbringt. Es gibt genug Betrachtungsweisen, die nicht den eigenen entsprechen, die aber genauso eine Daseinsberechtigung haben, und dafür sorgen, den eigenen Blickwinkel auf seine Fotos zu ändern. Oft mit einem verblüffenden Ergebnis.

Ja, ich bin bei Flickr- ist hinlänglich bekannt. Ich war auch bei 500px - wurde hier auch schon erwähnt. Warum ich dort weg bin?
Ihr könnt mich gerne verbessern, aber ich hatte den Eindruck, daß es dort zwei große Gruppenbereiche gibt:
  • AI generierte Bilder, oder Fotos, die durch Nachbearbeitung so weit verändert wurden, daß es offensichtlich ist. Ein Fakt, der meiner Meinung nach nichts mit dem eigentlichen fotografieren zu tun hat.
  • zu "perfekte" Bilder - was den vorherigen Punkt mit ein beziehen kann
Eigentlich sollte genau DASS das eigentliche Ziel sein, oder? Nämlich ein perfektes Bild zu erzeugen, wobei "erzeugen" dafür genau das richtige Wort ist. Doch Moment: Geht es nicht eigentlich um das fotografieren?
Ich bin in der Zeit der analogen Fotografie aufgewachsen. Digitalkameras waren nicht vorhanden, oder später astronomisch teuer. Deswegen hat man die Bilder auf Film gebannt. Gemacht von normalen Leuten, die einfach Momente ihres Lebens festhalten wollten. Mal hat das gut geklappt, mal nicht. Mal waren die Bilder einfach nur peinlich, schlecht ausgeleuchtet, verwackelt. Es gab Fotos, auf denen mehr Finger des Fotografen zu sehen waren, als das Motiv. Gesichter, die durch einen Aufsteckblitz so bleich waren, daß Vampire dagegen wie Mallorca Touristen nach einem vierwöchigen Urlaub aussehen. Doch so war das halt. Und manchmal habe ich den Eindruck, daß gerade Menschen meines Alter versuchen, genau diese Un-perfektheit dieser Fotos teilweise zurück zu holen. Es gibt dafür genug Filter, und Nachbearbeitungstools, die uns dabei helfen. Doch, ist das eigentlich wirklich DASS, was wir sehen wollen? War es nicht früher so, daß wir uns zum einen über einen überraschend gut gelungenen Schnappschuß viel mehr freuen konnten, weil dieser nicht beliebig herzustellen war? Und versuchen wir nicht heute, genau durch die weiterentwickelte, massentaugliche Technik wieder genau so etwas zu generieren?

Als Beispiel hier zwei Fotos...


Dieses hier habe ich mit Darktable aufgehübscht. Es würde auf Papier gebannt vermutlich sehr schön an einer Wand meiner Behausung aussehen. Ein Poster, daß man so vielleicht für 10,99€ in einem Einkaufszentrum kaufen könnte.






Das hier war das Original. Ein zufälliger Fund, der mir beim Durchstreifen eines Industriegebietes vor die Linse gelaufen ist.

Welches Bild ist besser?
Welches Bild würdest Du als wählen?







Ich selbst bin zwiegespalten. Auf der einen Seite finde ich es faszinierend, ein Bild durch die entsprechende Technik, oder Software soweit verändern zu können, daß es genau dem entspricht, was ich als "schön" erachte, oder, was dem Geschmack vieler Menschen entspricht.
Auf der anderen Seite verändere ich meine Bilder jedoch aus den oben genannten Gründen nur ungern. Ich denke, zum verbessern seiner eigenen fotografischen Kenntnisse ist das kontraproduktiv. Denn wo bleibt beim fotografieren der Anspruch an sein Können, wenn man beim drücken des Auslösers schon weiß, daß man fast jedes Bild im Nachgang retten kann? Ist es nicht schöner, sich beim betrachten des "unperfekten" Bildes an die Situation der Aufnahme zu erinnern? Vielleicht lächelt man über sich, und den gemachten Fehler - und lernt im besten Fall aus diesem.

Zur Zeit bin ich recht häufig mit dem 85mm Manuell-Objektiv von Benoison unterwegs. Einer wirklich sehr einfachen, und demensprechend günstigen Linse. Das fotografieren damit macht mir enorm viel Spaß. Es ist für mich fast so, als wenn ich mich in ein altes Auto setze, und damit bei schönem Wetter über die Landstraßen meiner Heimat bügle. Obwohl das alte Auto unperfekt ist, die Gänge sich schlecht schalten lassen, der Motor stinkt, säuft, und wenig Leistung hat, und die Straßenlage einen zwingt, langsamer als sonst zu fahren, macht mir auch so etwas tierisch Freude. Mit dem Objektiv, bei dem man die Blende, und den Fokus durch das drehen eines Rings einstellen muß, und kein vorgefertigtes Programm meine Fehlentscheidungen vor dem Abdrücken ausbügelt, lerne ich besser, die verschiedenen Belichtungsoptionen zu verstehen, als mit jedem Automatikprogramm der Welt. Es zu probieren, einen Aha-Effekt zu erleben, und die Erkenntnis zu verinnerlichen, sind die Momenten, die mir beim Betrachten der Fotos dann wieder ins Gedächtnis zurückkehren. Beim Bearbeiten eines Bildes am PC habe ich diese Erlebnisse meist nicht. 
Das besagte Objektiv funktioniert recht ordentlich. Gerade aber, wenn es dunkel wird, gerät es jedoch an seine Grenzen. Die Bilder werden verrauscht - hoher ISO-Wert sei Dank - und sind stellenweise auch nicht so knack-scharf, wie man es bei einer richtig teuren Prime Lense erwartet. Aber genau das macht für mich diese Bilder einzigartig. Ich mag den stellenweise soften Look der Fotos, gerade, wenn diese in schwarz-weiß aufgenommen wurden. Witzigerweise stellen Profis solche Effekte nach, indem sie sich Mistfilter (wie sich das anhört😊) auf ihre sündteuren Objektive schrauben, um das Bild "natürlicher", und "weicher" aussehen zu lassen. Auch, wenn die Filter bestimmt nicht besonders teuer sind, finde ich es lustig, daß manche Objektive ein so gestochen scharfes Bild liefern, daß mancher Fotograf versucht, diesen eigentlich gewünschten Effekt abzudämpfen. Wie ihr seht, geht das auch günstiger.

Echt kurios, findet Ihr nicht auch?

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