Ist das noch → erlaubt?

Streetphotography - oder, wie wir Deutschen wohl sagen würden: "Straßenfotografie". Was das beinhaltet wird jedem bewußt, der sich nur ein kleines bißchen mit dieser Materie auseinandersetzt. Im Kern geht es um Menschen. Jaja, ich weiß: Auch Architektur, Straßenschilder, Spiegelbilder in Pfützen, bla, bla, bla...ihr wißt schon. Aber ehrlichweise geht es tatsächlich um Menschen. So, wie sie im Alltag zu sehen sind. Und zwar auch, oder vielleicht gerade von vorne - inklusive dem Gesicht. Denn, was macht uns Menschen denn menschlich? Rischtisch: Der Blick in unsere Augen. Ohne Gesicht wird das a bisserl schwierig. Aber es gibt Grenzen! Oder doch nicht?

Natürlich gibt es Grenzen. Moralische, und natürlich gesetzliche. Die Frage "was ist erlaubt, und was verstößt gegen ein Gesetz" bei der Streetphotography ist immer präsent, und wird, je nachdem wer gefragt wird, mal so, oder mal so beantwortet. Dabei werden einem Paragraphen, und Gesetzestexte um die Ohren geschlagen, die sich stellenweise gegenseitig aufheben, oder widersprechen.
Mal ganz davon abgesehen, daß es Fotografen wie mir einige Überwindung kostet, aufgrund eventuell auftretender Repressalien wildfremde Menschen auf der Straße abzulichten, bin ich schon nach nur zwei Jahren der aktiven Fotografie solchen Fotos überdrüssig, die sich ausschließlich auf Rücken, Beine, Arme, oder sonstige Gliedmaßen von Humanoiden konzentrieren. Klar kann so ein Foto richtig aufgenommen vom künstlerischen Standpunkt her äußerst attraktiv sein. Oft erscheint es ehrlicherweise aber wie ein verzweifelter Versuch, auf keinen Fall zu deutlich den abgebildeten Menschen zu zeigen - obwohl man es augenscheinlich gerne würde.

Warum viele gerade in der heutigen Zeit Angst davor haben, ihr Gesicht, und ihre Identität im öffentlichen Raum Preis zu geben, ist gerade mit dem Wissen über die ungeahnten Möglichkeiten KI-generierter Filme, und Bilder nicht ungewöhnlich. Dennoch stelle ich mir die Frage, wie sich dieses Phänomen der gesichtslosen Menschen zukünftig weiterentwickeln wird.
Sind die Leute heutzutage zu ängstlich geworden? Meiner Meinung nach darf man sich in der Öffentlichkeit zeigen. Zumindest, wenn man reinen Gewissens, und mit sich selbst zufrieden ist. Und ich gehe davon aus, daß die meisten Menschen in diese Gruppe zu finden sind. Sehr viele sind sogar soweit mit sich zufrieden, daß sie ihr Kontervei ohne Probleme selbst in sozialen Netzwerken verbreiten. Woher also die Angst davor, wenn es jemand anderer tut? Ist es die Befürchtung, man könnte nicht gut genug aussehen? Oder in einer peinlichen Situation abgelichtet werden?

Als Fotografierender hat man natürlich eine moralische Verantwortung, nicht jedes Foto zu posten. Deswegen war ich mir unsicher, ob ich das unten stehende Bild bei Flickr hochladen soll. Der Zufall, der mir die beiden netten Frauen vor die Linse geführt hat, war jedoch zu verlockend, um es nicht in mein Portfolio aufzunehmen. Und ganz ehrlich: Ich denke, die meisten werden den feinen Humor des Bildes vermutlich sowieso nicht verstehen.

 

 

Ich denke, wir machen uns viel zu oft unnötige Gedanken, und lassen uns von worst-case-Szenarien durch das Leben treiben. Klar kann immer etwas schlimmes passieren. Aber ist das ganze Leben nicht auch eine große Unbekannte? Wie viele berühmte Künstler, Forscher, Entwickler wären nie bekannt geworden, hätten sie nicht auch einmal gewagt, ein Risiko einzugehen? Ich denke, Fotos der berühmtesten Fotokünstler wären so ungesehen in einer Schublade verstaubt. Wäre das nicht ein großer Verlust für uns alle gewesen?

In diesem Sinne → fröhliches diskutieren, und viel Spaß beim fotografieren. 

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