Da sind wir also. Von unserem Ersparten haben wir uns eine professionelle Spiegelreflex-Kamera gekauft. Vollformat - versteht sich. Man will ja auch vernünftige Fotos aufnehmen. Bilder, mit denen man auf sozialen Netzwerken für Erstaunen sorgt, und von Bekannten, und Verwandten gelobt wird. Wo einem Fragen ála
"...wie hast Du denn dieses Foto hinbekommen? Sieht ja aus wie in einem Film..."
gestellt werden, und man mit selbstsicheren Lächeln seinen Bewunderen erzählen kann, daß sowas natürlich nur mit der entsprechenden Technik machbar ist. Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Irgendein Wurm mit einer Kompaktbildkamera veröffentlicht ein Foto bei Flickr. In der gleichen Gruppe, in der man auch schon etliche Bilder gepostet hat. Nichts besonderes eigentlich. Die Farben verwaschen, die Schatten verrauscht. Und trotzdem bekommt das Foto etlichen Zuspruch. Ein dreistelliger Favoriten-Status wird dem Bild beschert. Aber warum? Sehen die anderen denn nicht, daß dieses Werk total unprofessionell ist?
Doch. Sie sehen es. Und sie lieben es dafür. Gerade dafür.
Ich kann das gut nachvollziehen. Klar hat man beim fotografieren einen Anspruch an sich selbst. Doch der fällt von Person zu Person anders aus. Geschmack macht ja bekanntlich einsam. Trends werden jedoch nicht durch Menschen gesetzt, die der Masse hinterher laufen. Erst vor kurzem habe ich wieder einmal einen Interessanten Film bei YT gesehen. Er handelt, wie so oft, wenn ich mir einen Film dort ansehe, über die Streetphotography. Offenbar gab es bei der Entstehung dieser Kunst eine goldene Regel, die besagte, daß Street-Art immer in monochrom aufzunehmen sei - bis jemand damit begann, seine Fotos in Farbe aufzunehmen. Eine Art der Aufnahme, die sich zwischenzeitlich mehr als etabliert hat.
Was will ich damit ausdrücken?
Meiner Meinung nach kann man gute Fotos nicht an verschiedenen Kriterien festmachen. Es gibt genug technisch "schlecht" gemachte Fotos, die uns trotzdem in den Bann ziehen. Deswegen, weil sie zum Beispiel eine Geschichte erzählen, einem zum nachdenken anregen, oder zum lachen bringen. Deswegen, weil genau durch die fehlende Perfektion das Foto das bekommt, was KI-generierten Bildern meiner Meinung nach fehlt: Charakter. Eine persönliche Note. Ein einzigartiger Stil. Etwas herausragendes, und vielleicht auch unverkennbares.
Neben der Kunst, die Technik seiner Kamera zu beherrschen ist es vermutlich viel wichtiger, kreativ zu sein, und seine Ideen ungezwungen umzusetzen. Ich denke, so entstehen richtig gute Fotos - und nicht so, wie sie einem von anderen eingeredet werden.
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