post → production

Warum ich nicht bei 500px geblieben bin...

Was bringt es einem, wenn man seine Bilder in ein Fotoportal hochlädt? Das muß wohl jeder für sich selbst beantworten. Die einen machen es, weil sie auf der ewigen Jagd nach "likes" sind. Auch, wenn es natürlich schön ist, wenn die zur Ansicht gestellten Fotos bejubelt werden, spielt bei mir ein anderer Aspekt die Hauptrolle: Ich möchte lernen. Dazu ist mir die Meinung anderer, vermutlich erfahrener Fotografen wichtig. Auch, wenn ich immer noch das fotografiere, was mich anspricht, mich fasziniert, mein Gefühlszentrum triggert, oder mich zum nachdenken animiert, so bin ich doch für einen guten Tipp, einen sachlichen Rat, oder einen Kniff dankbar, der mich bei meiner Fotografie-Reise weiterbringt. Es gibt genug Betrachtungsweisen, die nicht den eigenen entsprechen, die aber genauso eine Daseinsberechtigung haben, und dafür sorgen, den eigenen Blickwinkel auf seine Fotos zu ändern. Oft mit einem verblüffenden Ergebnis.

Ja, ich bin bei Flickr- ist hinlänglich bekannt. Ich war auch bei 500px - wurde hier auch schon erwähnt. Warum ich dort weg bin?
Ihr könnt mich gerne verbessern, aber ich hatte den Eindruck, daß es dort zwei große Gruppenbereiche gibt:
  • AI generierte Bilder, oder Fotos, die durch Nachbearbeitung so weit verändert wurden, daß es offensichtlich ist. Ein Fakt, der meiner Meinung nach nichts mit dem eigentlichen fotografieren zu tun hat.
  • zu "perfekte" Bilder - was den vorherigen Punkt mit ein beziehen kann
Eigentlich sollte genau DASS das eigentliche Ziel sein, oder? Nämlich ein perfektes Bild zu erzeugen, wobei "erzeugen" dafür genau das richtige Wort ist. Doch Moment: Geht es nicht eigentlich um das fotografieren?
Ich bin in der Zeit der analogen Fotografie aufgewachsen. Digitalkameras waren nicht vorhanden, oder später astronomisch teuer. Deswegen hat man die Bilder auf Film gebannt. Gemacht von normalen Leuten, die einfach Momente ihres Lebens festhalten wollten. Mal hat das gut geklappt, mal nicht. Mal waren die Bilder einfach nur peinlich, schlecht ausgeleuchtet, verwackelt. Es gab Fotos, auf denen mehr Finger des Fotografen zu sehen waren, als das Motiv. Gesichter, die durch einen Aufsteckblitz so bleich waren, daß Vampire dagegen wie Mallorca Touristen nach einem vierwöchigen Urlaub aussehen. Doch so war das halt. Und manchmal habe ich den Eindruck, daß gerade Menschen meines Alter versuchen, genau diese Un-perfektheit dieser Fotos teilweise zurück zu holen. Es gibt dafür genug Filter, und Nachbearbeitungstools, die uns dabei helfen. Doch, ist das eigentlich wirklich DASS, was wir sehen wollen? War es nicht früher so, daß wir uns zum einen über einen überraschend gut gelungenen Schnappschuß viel mehr freuen konnten, weil dieser nicht beliebig herzustellen war? Und versuchen wir nicht heute, genau durch die weiterentwickelte, massentaugliche Technik wieder genau so etwas zu generieren?

Als Beispiel hier zwei Fotos...


Dieses hier habe ich mit Darktable aufgehübscht. Es würde auf Papier gebannt vermutlich sehr schön an einer Wand meiner Behausung aussehen. Ein Poster, daß man so vielleicht für 10,99€ in einem Einkaufszentrum kaufen könnte.






Das hier war das Original. Ein zufälliger Fund, der mir beim Durchstreifen eines Industriegebietes vor die Linse gelaufen ist.

Welches Bild ist besser?
Welches Bild würdest Du als wählen?







Ich selbst bin zwiegespalten. Auf der einen Seite finde ich es faszinierend, ein Bild durch die entsprechende Technik, oder Software soweit verändern zu können, daß es genau dem entspricht, was ich als "schön" erachte, oder, was dem Geschmack vieler Menschen entspricht.
Auf der anderen Seite verändere ich meine Bilder jedoch aus den oben genannten Gründen nur ungern. Ich denke, zum verbessern seiner eigenen fotografischen Kenntnisse ist das kontraproduktiv. Denn wo bleibt beim fotografieren der Anspruch an sein Können, wenn man beim drücken des Auslösers schon weiß, daß man fast jedes Bild im Nachgang retten kann? Ist es nicht schöner, sich beim betrachten des "unperfekten" Bildes an die Situation der Aufnahme zu erinnern? Vielleicht lächelt man über sich, und den gemachten Fehler - und lernt im besten Fall aus diesem.

Zur Zeit bin ich recht häufig mit dem 85mm Manuell-Objektiv von Benoison unterwegs. Einer wirklich sehr einfachen, und demensprechend günstigen Linse. Das fotografieren damit macht mir enorm viel Spaß. Es ist für mich fast so, als wenn ich mich in ein altes Auto setze, und damit bei schönem Wetter über die Landstraßen meiner Heimat bügle. Obwohl das alte Auto unperfekt ist, die Gänge sich schlecht schalten lassen, der Motor stinkt, säuft, und wenig Leistung hat, und die Straßenlage einen zwingt, langsamer als sonst zu fahren, macht mir auch so etwas tierisch Freude. Mit dem Objektiv, bei dem man die Blende, und den Fokus durch das drehen eines Rings einstellen muß, und kein vorgefertigtes Programm meine Fehlentscheidungen vor dem Abdrücken ausbügelt, lerne ich besser, die verschiedenen Belichtungsoptionen zu verstehen, als mit jedem Automatikprogramm der Welt. Es zu probieren, einen Aha-Effekt zu erleben, und die Erkenntnis zu verinnerlichen, sind die Momenten, die mir beim Betrachten der Fotos dann wieder ins Gedächtnis zurückkehren. Beim Bearbeiten eines Bildes am PC habe ich diese Erlebnisse meist nicht. 
Das besagte Objektiv funktioniert recht ordentlich. Gerade aber, wenn es dunkel wird, gerät es jedoch an seine Grenzen. Die Bilder werden verrauscht - hoher ISO-Wert sei Dank - und sind stellenweise auch nicht so knack-scharf, wie man es bei einer richtig teuren Prime Lense erwartet. Aber genau das macht für mich diese Bilder einzigartig. Ich mag den stellenweise soften Look der Fotos, gerade, wenn diese in schwarz-weiß aufgenommen wurden. Witzigerweise stellen Profis solche Effekte nach, indem sie sich Mistfilter (wie sich das anhört😊) auf ihre sündteuren Objektive schrauben, um das Bild "natürlicher", und "weicher" aussehen zu lassen. Auch, wenn die Filter bestimmt nicht besonders teuer sind, finde ich es lustig, daß manche Objektive ein so gestochen scharfes Bild liefern, daß mancher Fotograf versucht, diesen eigentlich gewünschten Effekt abzudämpfen. Wie ihr seht, geht das auch günstiger.

Echt kurios, findet Ihr nicht auch?

Fotos → und das liebe Geld

Da sind wir also. Von unserem Ersparten haben wir uns eine professionelle Spiegelreflex-Kamera gekauft...ähm, nein: das ist nicht der gleiche Thread wie ein Stückchen weiter unten. Hier geht es auch nicht um das perfekte Foto, sondern um Kohle. Also Geld, Money, Moneten, Knete - Ihr wißt schon. Aber was hat das mit der Fotografie zu tun? Für viele Fotografen offenbar ziemlich viel...

Wie Ihr vielleicht schon gemerkt habt, bin ich mit meinem Bildern derzeit bei Flickr zu finden. Einem Portal für Fotografen. Damit unterscheidet sich diese Seite von ihren meines erachtens überbewerteten Konkurrenten ála Insta. Wer sich der Fotografie verschrieben hat, und seine Bilder mit unter kunstvoll, und aufwendig erschaffen hat, möchte diese verständlicherweise von einer Klientel begutachten lassen, die den gleichen Anspruch an Fotografie hat, wie man selbst. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist fotografieren nämlich etwas anderes, als das Bild seines Mittagessens auf Facebook zu posten. Es bedarf einer passenden Ausstattung, und dem Know-How, wie man diese einsetzt (...sorry dafür - es ist nicht so überheblich gemeint, wie es sich vielleicht liest).

Als ich vor drei Jahren das Fotografieren wieder entdeckte, war ich, so wie die meisten Hobbyfotografen, auf der Suche nach einer virtuellen Garage für meine Bilder. Ich habe mir verschiede Anbieter angesehen, und die Für´s und Wider´s verglichen. Mein Resumee: Grundsätzlich haben Fotografen die Wahl zwischen drei Portalen.

Die Hauptsächlichen Kritikpunkte der User bei allen Fotosharingdiensten haben zu tun mit...

  • Werbung
  • Spam
  • Bots
  • den Kosten
  • das ungefragte Löschen von privaten Content
Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen. Warum? Wie bei allen anderen Dienstleitungen auch, lassen sich meist nur unzufriedene Kunden öffentlich über ihren Provider aus, während die zufriedene Masse sich still verhält - altes Internet-Gesetz.  

Warum ich mich für Flickr entschieden habe? Ein großer Vorteil ist, daß man als neuer User dort die Funktionen nutzen kann, ohne etwas bezahlen zu müssen. Dabei kann man bis zu 1000 Fotos hochladen. Man darf jedoch nicht blauäugig sein. Die Betreiber aus den Vereinigten Staaten wollen natürlich Geld mit ihrer Seite verdienen, was über ein kostenpflichtiges Abo realisiert wird. Im günstigsten Fall sind stolze 148 Euronen für zwei Jahre zu entrichten. Ein Betrag, den ich persönlich jedoch als zu hoch einstufe, und deswegen davon vorerst Abstand genommen habe.

Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Platzhirsch, der Fotocommutiy. Die aus Deutschistan stammende Seite verspricht zwar mehr zwischenmenschlichen Austausch, Workshops und Lehrgänge, ist in der kostenfreien Version jedoch von der Nutzung her eingeschränkt. Ein Bezahl-Abo ist jedoch auch hier nicht so günstig, daß es für mich in Frage käme. Vor allem, da ich die weiteren Angebote dieser Seite aus Zeitgründen vermutlich nicht nutzen würde, und die Seite "nur" zum parken, und veröffentlichen meiner Fotos nutze.

Als letzte Option bietet sich 500px an, die mit einem Jahresbeitrag von 59 USD, also umgerechnet unter 50 Euronen die günstigste Variante sind. Die Funktionen ähneln denen bei Flickr. Jedoch scheinen sich auf der Seite erheblich mehr Bots herumzutreiben, und in der kostenlosen Version wird man mit viel Werbung zugeschüttet. Dennoch scheint diese Seite aus China für mich bisher die kostengünstigste Option zu sein, seine Bilder zu parken, auch, wenn sich das Portal von einer Community für Fotografen zu einer Bildagentur verwandelt hat.

Soviel zu den Anbietern.

Eine Sache stört mich generell bei allen Angeboten im Netz. Dass hat mehr mit den Usern, als mit den Anbietern der Seiten zu tun. Es geht um den scheinbar unausweichlichen Drang danach, mit seinem Hobby sein reguläres Einkommen aufzubessern. Ob dabei die Seitenbetreiber dieses Phänomen aufgegriffen, oder ausgelöst haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Dennoch finde ich es äußerst schade, daß es sich so entwickelt hat.
Für Berufsfotografen, die mit ihrem Können ihren Lebensunterhalt finanzieren müssen, ist das eine tolle Sache. Warum jedoch Hobbyfotografen, die, wie der Name schon sagt, die Fotografie als Hobby, also zu Ihrer eigenen Freude betreiben, auch Profit aus ihrer Leidenschaft machen müssen, finde ich merkwürdig - und schade. Dieses Gebaren kann ich nicht nachvollziehen. Und ehrlich gesagt finde ich auch, daß es diesem wundervollen Hobby seinen Zauber raubt.

Was heißt hier → "gut"?

Da sind wir also. Von unserem Ersparten haben wir uns eine professionelle Spiegelreflex-Kamera gekauft. Vollformat - versteht sich. Man will ja auch vernünftige Fotos aufnehmen. Bilder, mit denen man auf sozialen Netzwerken für Erstaunen sorgt, und von Bekannten, und Verwandten gelobt wird. Wo einem Fragen ála

"...wie hast Du denn dieses Foto hinbekommen? Sieht ja aus wie in einem Film..."

gestellt werden, und man mit selbstsicheren Lächeln seinen Bewunderen erzählen kann, daß sowas natürlich nur mit der entsprechenden Technik machbar ist. Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Irgendein Wurm mit einer Kompaktbildkamera veröffentlicht ein Foto bei Flickr. In der gleichen Gruppe, in der man auch schon etliche Bilder gepostet hat. Nichts besonderes eigentlich. Die Farben verwaschen, die Schatten verrauscht. Und trotzdem bekommt das Foto etlichen Zuspruch. Ein dreistelliger Favoriten-Status wird dem Bild beschert. Aber warum? Sehen die anderen denn nicht, daß dieses Werk total unprofessionell ist?

Doch. Sie sehen es. Und sie lieben es dafür. Gerade dafür.

Ich kann das gut nachvollziehen. Klar hat man beim fotografieren einen Anspruch an sich selbst. Doch der fällt von Person zu Person anders aus. Geschmack macht ja bekanntlich einsam. Trends werden jedoch nicht durch Menschen gesetzt, die der Masse hinterher laufen. Erst vor kurzem habe ich wieder einmal einen Interessanten Film bei YT gesehen. Er handelt, wie so oft, wenn ich mir einen Film dort ansehe, über die Streetphotography. Offenbar gab es bei der Entstehung dieser Kunst eine goldene Regel, die besagte, daß Street-Art immer in monochrom aufzunehmen sei - bis jemand damit begann, seine Fotos in Farbe aufzunehmen. Eine Art der Aufnahme, die sich zwischenzeitlich mehr als etabliert hat.

Was will ich damit ausdrücken?

Meiner Meinung nach kann man gute Fotos nicht an verschiedenen Kriterien festmachen. Es gibt genug technisch "schlecht" gemachte Fotos, die uns trotzdem in den Bann ziehen. Deswegen, weil sie zum Beispiel eine Geschichte erzählen, einem zum nachdenken anregen, oder zum lachen bringen. Deswegen, weil genau durch die fehlende Perfektion das Foto das bekommt, was KI-generierten Bildern meiner Meinung nach fehlt: Charakter. Eine persönliche Note. Ein einzigartiger Stil. Etwas herausragendes, und vielleicht auch unverkennbares.

Neben der Kunst, die Technik seiner Kamera zu beherrschen ist es vermutlich viel wichtiger, kreativ zu sein, und seine Ideen ungezwungen umzusetzen. Ich denke, so entstehen richtig gute Fotos - und nicht so, wie sie einem von anderen eingeredet werden.  

Ist das noch → erlaubt?

Streetphotography - oder, wie wir Deutschen wohl sagen würden: "Straßenfotografie". Was das beinhaltet wird jedem bewußt, der sich nur ein kleines bißchen mit dieser Materie auseinandersetzt. Im Kern geht es um Menschen. Jaja, ich weiß: Auch Architektur, Straßenschilder, Spiegelbilder in Pfützen, bla, bla, bla...ihr wißt schon. Aber ehrlichweise geht es tatsächlich um Menschen. So, wie sie im Alltag zu sehen sind. Und zwar auch, oder vielleicht gerade von vorne - inklusive dem Gesicht. Denn, was macht uns Menschen denn menschlich? Rischtisch: Der Blick in unsere Augen. Ohne Gesicht wird das a bisserl schwierig. Aber es gibt Grenzen! Oder doch nicht?

Natürlich gibt es Grenzen. Moralische, und natürlich gesetzliche. Die Frage "was ist erlaubt, und was verstößt gegen ein Gesetz" bei der Streetphotography ist immer präsent, und wird, je nachdem wer gefragt wird, mal so, oder mal so beantwortet. Dabei werden einem Paragraphen, und Gesetzestexte um die Ohren geschlagen, die sich stellenweise gegenseitig aufheben, oder widersprechen.
Mal ganz davon abgesehen, daß es Fotografen wie mir einige Überwindung kostet, aufgrund eventuell auftretender Repressalien wildfremde Menschen auf der Straße abzulichten, bin ich schon nach nur zwei Jahren der aktiven Fotografie solchen Fotos überdrüssig, die sich ausschließlich auf Rücken, Beine, Arme, oder sonstige Gliedmaßen von Humanoiden konzentrieren. Klar kann so ein Foto richtig aufgenommen vom künstlerischen Standpunkt her äußerst attraktiv sein. Oft erscheint es ehrlicherweise aber wie ein verzweifelter Versuch, auf keinen Fall zu deutlich den abgebildeten Menschen zu zeigen - obwohl man es augenscheinlich gerne würde.

Warum viele gerade in der heutigen Zeit Angst davor haben, ihr Gesicht, und ihre Identität im öffentlichen Raum Preis zu geben, ist gerade mit dem Wissen über die ungeahnten Möglichkeiten KI-generierter Filme, und Bilder nicht ungewöhnlich. Dennoch stelle ich mir die Frage, wie sich dieses Phänomen der gesichtslosen Menschen zukünftig weiterentwickeln wird.
Sind die Leute heutzutage zu ängstlich geworden? Meiner Meinung nach darf man sich in der Öffentlichkeit zeigen. Zumindest, wenn man reinen Gewissens, und mit sich selbst zufrieden ist. Und ich gehe davon aus, daß die meisten Menschen in diese Gruppe zu finden sind. Sehr viele sind sogar soweit mit sich zufrieden, daß sie ihr Kontervei ohne Probleme selbst in sozialen Netzwerken verbreiten. Woher also die Angst davor, wenn es jemand anderer tut? Ist es die Befürchtung, man könnte nicht gut genug aussehen? Oder in einer peinlichen Situation abgelichtet werden?

Als Fotografierender hat man natürlich eine moralische Verantwortung, nicht jedes Foto zu posten. Deswegen war ich mir unsicher, ob ich das unten stehende Bild bei Flickr hochladen soll. Der Zufall, der mir die beiden netten Frauen vor die Linse geführt hat, war jedoch zu verlockend, um es nicht in mein Portfolio aufzunehmen. Und ganz ehrlich: Ich denke, die meisten werden den feinen Humor des Bildes vermutlich sowieso nicht verstehen.

 

 

Ich denke, wir machen uns viel zu oft unnötige Gedanken, und lassen uns von worst-case-Szenarien durch das Leben treiben. Klar kann immer etwas schlimmes passieren. Aber ist das ganze Leben nicht auch eine große Unbekannte? Wie viele berühmte Künstler, Forscher, Entwickler wären nie bekannt geworden, hätten sie nicht auch einmal gewagt, ein Risiko einzugehen? Ich denke, Fotos der berühmtesten Fotokünstler wären so ungesehen in einer Schublade verstaubt. Wäre das nicht ein großer Verlust für uns alle gewesen?

In diesem Sinne → fröhliches diskutieren, und viel Spaß beim fotografieren. 

Schöne Fotos → aber billig!

Fotografieren ist nicht günstig. Dummerweise bin ich jedoch ein Sparfuchs. Es widerstrebt mir, mein mit viel Schweiß, Tränen, und Blut (...okay, das war vielleicht ein wenig dick aufgetragen...) verdientes Geld für ein Objektiv auszugeben, für dessen monitären Gegenwert so manch anderer sich einen Kleinwagen leisten würde. Doch geht es auch anders?




OH, NEIN!

werden sich nun einige denken, die das Objektiv im Foto sehen. Ich denke, für richtige Fotografen, und Kamera-Fetischisten ist dieses Stück China-Plastik vermutlich der Inbegriff eines schlechten Objektives. Es handelt sich dabei um ein 85mm f/1.8 Festbrennweiten-Objektiv des Herstellers...nun ja...da wird es schon schwierig. Denn im world wide web wird diese Linse unter verschiedensten Namen angeboten.

Ich persönlich oute mich! Denn ich habe mir das Teil tatsächlich gekauft (...die Welt hält den Atem an...😏)

Bestellt habe ich mir das Teil auf der chinesischen Plattform aliexpress unter dem Herstellernamen Lightdow. Bekommen habe ich jedoch ein optisch exakt gleiches Objektiv, allerdings vom Hersteller Benoisen. Schon bei meiner Suche nach dem günstigsten Preis bin ich bei meiner Recherche auf noch weitere Herstellernamen wie Vivitar, Kelda, Opteka, Digitalmate, und weitere gestossen, die haargenau das selbe Objektiv mit den gleichen Eigenschaften vertreiben. Da ich davon ausgehe, daß es sich immer um das gleiche Objektiv handelt, habe ich das gute Stück nicht sofort zurückgeschickt, sondern tatsächlich getestet - und das mit überraschendem Ergebnis.

Das Rohr wird mit Schraubdeckeln hinten und vorne, einer Gegenlichtblende, einer Anleitung, einem Transportsäckchen aus Kunstleder, und in PU-Schaum gesichert in einem schniecken Karton angeliefert. Als ich das Ding ausgepackt habe, war ich von dem geringen Gewicht überrascht, was vermutlich daran liegt, da das Objektiv fast komplett aus Kunststoff gefertigt ist. Der Mount allerings ist aus Metall, und weißt keine elektrischen Anschlüsse auf. Kein Wunder, handelt es sich bei dem 85mm um ein rein manuelles Objektiv. Das bedeutet im Klartext: Kein Autofokus, einstellen der Blende durch den Verstellring, und keine Bildstabilisierung. Doch das wußte ich bereits.

Die Bedienung


Und damit meine ich jetzt nicht die Person, die einem das Essen an den Tisch liefert, sondern, wie es sich mit dem guten Stück an der Kamera (Canon EOS 77d) hantieren läßt.
Entgegen den Schreckensmeldungen aus Funk und Fernsehen hat der Mount auf meiner APSC einwandfrei funktioniert, und hält bombenfest an der Kamera. Der Blendenring ist rastbar von F1.8 bis 22 einstellbar. Die Unterteilung scheint jedoch entgegen den gängigen Normen ungewöhnlich zu sein, was mich jedoch nicht gestört hat. Der Fokusring läßt sich in meinen Augen geschmeidig drehen, nicht zu locker, und nicht zu fest. Auch ein verstellen mit nur einem Finger ist beim fokusieren möglich, was gerade bei Shots via Display-Auslösung praktisch sein kann.
Wegen der stark gekrümmten Optik sollte man immer mit der Streulichtblende arbeiten, die auf das Objektiv geschraubt wird. Auf dieser kann auch die Schutzkappe angebracht werden, oder ggf. Filterblenden im Durchmesser 72mm.

Die Kamera muß bei Nutzung des Objektives auf "Manuell" gestellt werden. Die Verschlußzeit wird an der Kamera justiert, die Blende am, und den Fokus manuell am Objektiv, und den ISO stellt man am Besten bei der Kamera auf Auto. Da die DSLR das Objektiv dank der fehlenden Anschlüsse nicht wahr nimmt, muß offenbar im Menü einiger Kameras ein Auslösen auch ohne Objektiv eingestellt werden. Bei meiner 77d hat es ohne eine Programmänderung gleich funktioniert. Ich konnte also sofort losgehen.
Der Drehweg des Fokus ist etwas kurz geraten, und gerade bei Objekten, die sich weiter entfernt befinden, ist der Grat zwischen scharf, und unscharf schmal wie eine Rasierklinge. Mit etwas Übung, und ggf, einem Prüfschuß habe ich das aber recht gut handlen können.
Ich habe sowohl den optischen Sucher, als auch das Display für meine Aufnahmen verwendet. Beides hat überraschend gut funktioniert.

Obwohl ich als Einsteiger wirklich nicht den professionellen Blick eines versierten Fotografen habe, möchte ich meine Eindrücke der Bildqualität hier noch unters Volk streuen. Ich war überrascht, daß die Aufnahmen bei der Straßenfotografie wider erwarten recht gut geworden sind. Die Brennweite von 85mm, die ja normalerweise für Porträtfotografie verwendet wird, eignet sich auch hervorragend für andere Einsatzzwecke - okay: raumfüllende Landschaftaufnahmen werden damit schwierig werden. Aber für die Straße ist die Brennweite gut geeignet, da man Raum zwischen sich, und sein Motiv bringt, und gut aus der Distanz unentdeckt um sich schießen kann.
Ich hatte überwiegend in monochrom an einem sehr bewölkten, späten Nachmittag im Herbst fotografiert. Trotz der Offenblende von f/1.8 ist dieses Objektiv allerdings nicht allzu lichtgierig, und der ISO-Wert bei Auto-Iso schnellte in schwindelerregende Höhen, was verrauschte Dunkelbereiche im Foto zur Folge hat. Aber auch solche Bilder strahlen eine gewisse Eleganz aus, falls das richtige Motiv vor der Linse steht. Ich würde diese Optik aber vor allem bei ausreichender Helligkeit verwenden. Da funktioniert es erstaunlich gut, und lieferte auch scharfe Bilder. Die Blende würde ich jedoch lieber eine, bis zwei Stufen abblenden, denn die Schärfe bei komplett offener Blende nimmt ganz offensichtlich ab. Das Bokeh ist bei f/2.5 oder F/3 immer noch sehr ansehnlich. Vor allem, wenn der Hintergrund weit genug entfernt ist.

Über Belichtungfehler, wie Vignettierung, oder ähnliches möchte ich mich hier nicht auslassen, da ich dafür einfach noch zu wenig Erfahrungen habe. Sehr negativ ausgefallen ist mir jedoch in dieser Hinsicht nüschts.
Ich habe mich für diese Festbrennweite auch nach anderen Objektiven namhafter Hersteller umgesehen. Leider werden selbst diese Kameralinsen in manchen Test harsch verrissen, kosten aber ein Vielfaches (...und damit meine ich wirklich "ein Vielfaches"...) von dem, was ich für dieses manuelle, und sehr einfache Objektiv bezahlt habe. Und das waren incl. Versand keine 50 Euro!
Zusammenfassend muß ich zugeben, daß ich nach meinem mehrstündigen Test den Kauf nicht bereue. Das manuelle Arbeiten mit dem Gespann macht mir bisher sehr viel Freude, und die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen (...also: finde ich zumindest).


Habt ihr auch so ein Objektiv? Sagt mir, was Ihr davon haltet, und schreibt es mir in die Kommentare.
Alle Fotos, aufgenommen mit dem Objektiv, findet Ihr HIER auf meinem Flickr-Profil.


Danke für die Aufmerksamkeit, und bis demnächst.